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Lernbegleitung in der Ausbildung: Impulse geben statt Lösungen vorgeben

Reihe: Kompetenzen in der Ausbildung | #5

In den bisherigen Beiträgen unserer Blogreihe haben wir betrachtet, wie Auszubildende wirksam lernen, was ihre Lernmotivation fördert und wie sie sich zunehmend selbst organisieren können. Doch selbstständiges Lernen bedeutet nicht, Azubis mit ihren Lernprozessen allein zu lassen. Entscheidend ist vielmehr, wie wir Ausbilder:innen diese Prozesse begleiten.

#5 Reihe Kompetenzen in der Ausbildung: Lernbegleitung in der Ausbildung
©Canva

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1. Zwischen Anleiten und Begleiten

Wir Ausbilder:innen übernehmen im Ausbildungsalltag unterschiedliche Rollen: Wir vermitteln Fachwissen, erklären Zusammenhänge, zeigen Arbeitsabläufe und geben Orientierung. Gleichzeitig können wir Lernprozesse begleiten und dabei die Rolle eines Lerncoachs übernehmen.

Welche Rolle gerade sinnvoll ist, hängt von der Situation und dem Lernstand des Azubis ab. Bei neuen oder sicherheitsrelevanten Tätigkeiten kann eine klare Anleitung erforderlich sein. Verfügt der Azubi bereits über entsprechende Grundlagen, kann es dagegen lernwirksamer sein, nicht sofort die Lösung vorzugeben.

Statt zu erklären, wie eine Aufgabe zu lösen ist, können wir bspw. fragen: „Wie würdest Du vorgehen?“ So wird vorhandenes Wissen aktiviert und der Azubi entwickelt zunächst einen eigenen Lösungsweg.

Lernbegleitung bedeutet also nicht, weniger zu unterstützen, sondern Art und Umfang der Unterstützung bewusst an die jeweilige Situation anzupassen.


2. Mit Fragen Lernprozesse anregen

Gezielte Fragen gehören zu den wichtigsten Werkzeugen der Lernbegleitung. Während Wissensfragen vor allem vorhandene Kenntnisse überprüfen, können offene und reflexionsorientierte Fragen eigene Denkprozesse anstoßen.

Je nach Situation können unterschiedliche Fragen hilfreich sein:

  • Offene Fragen: „Wie würdest Du an diese Aufgabe herangehen?“
  • Lösungsorientierte Fragen: „Was hat bei einer ähnlichen Aufgabe bereits gut funktioniert?“
  • Perspektivfragen: „Wie könnte der Kunde die Situation beurteilen?“
  • Skalierungsfragen: „Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie sicher fühlst Du Dich bei dieser Aufgabe? Was würde Dir helfen, einen Punkt weiterzukommen?“

Einige dieser Fragetechniken werden auch im systemischen Coaching eingesetzt. Entscheidend ist jedoch nicht die Anzahl der Fragen. Oft reicht eine gut gewählte Frage, um einen Denkprozess anzustoßen. Ebenso wichtig ist es, anschließend Denkzeit zuzulassen und die Antwort nicht vorschnell selbst zu geben.


3. Lernbegleitung braucht die passende Haltung

Gute Lernbegleitung setzt voraus, dass wir Azubis zutrauen, eigene Lösungswege zu entwickeln. Dazu gehört, aufmerksam zuzuhören, nachzufragen, Denkpausen auszuhalten und nicht jede Schwierigkeit unmittelbar selbst zu lösen. Gleichzeitig geben wir Orientierung, wenn Wissen fehlt oder Unterstützung erforderlich ist.

Drei Leitlinien können dabei helfen:

  • Aktivieren statt vorsagen: Vorhandenes Wissen und eigene Ideen zunächst nutzen lassen.
  • Begleiten statt abnehmen: So viel Unterstützung geben wie erforderlich, ohne die Lösungsfindung zu übernehmen.
  • Reflektieren statt nur kontrollieren: Nicht nur das Ergebnis betrachten, sondern auch fragen, wie der Azubi vorgegangen ist und was er aus der Aufgabe mitnimmt.

Die zentrale Frage lautet dabei: Was benötigt der Azubi jetzt, um den nächsten Schritt möglichst selbstständig gehen zu können?


4. Fazit

Lernbegleitung bedeutet nicht, dass wir Ausbilder:innen unsere Rolle als Fachkraft und Wissensvermittler:in aufgeben. Vielmehr entscheiden wir situationsabhängig, wann Erklären und Anleiten notwendig sind und wann Fragen, Impulse oder bewusstes Zurückhalten das selbstständige Lernen besser fördern.

So unterstützen wir Azubis dabei, zunehmend selbstständig zu denken, zu lernen und zu handeln – und fördern damit ihre Selbstlernkompetenz und ihre berufliche Handlungsfähigkeit.


5. Vorschau auf den nächsten Beitrag

Auch digitale Tools können Auszubildende dabei unterstützen, selbstständig und nachhaltig zu lernen. Im nächsten Teil unserer Blogreihe zeigen wir, welche digitalen Werkzeuge sich für unterschiedliche Lernprozesse eignen und wie wir Ausbilder:innen diese sinnvoll in den Ausbildungsalltag integrieren können.


Autorin: Nadine Jungfleisch, Dozentin, Referentin, Ausbilderin, Personalentwicklerin und Lerncoach, www.pruefung-erfolg.de


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