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Psychische Krisen bei Azubis: Das richtige Gespräch führen (Teil 2 von 2)

Praxisleitfäden und Resilienz-Werkzeuge für Ausbilder:innen

Im ersten Teil dieser Beitragsreihe hast Du erfahren, wie Du als Ausbilder:in Warnsignale psychischer Belastungen frühzeitig erkennen und ein praxisnahes Frühwarnsystem etablieren kannst. Doch das Wahrnehmen von Veränderungen ist erst der Anfang. Entscheidend ist, wie Du das Gespräch suchst und Betroffene angemessen unterstützt. Vielfach ist es herausfordernd Themen sensibel anzusprechen, Orientierung zu geben und gleichzeitig die eigenen Grenzen als Ausbilder:in zu wahren.

©AdobeStock II Jérôme Rommé

In diesem zweiten Teil erhältst Du konkrete Tipps für das Erstgespräch, praxiserprobte Werkzeuge zur Stärkung der Resilienz sowie Hinweise, wann externe Unterstützungsangebote sinnvoll sind. Eine praktische Checkliste rundet den Beitrag ab.


1. Das Erstgespräch: Perspektive“ wählen

Besteht der Verdacht, dass eine Nachwuchskraft mental strauchelt, ist das persönliche Gespräch der erste und wichtigste Schritt. Der größte Fehler hierbei sind Konfrontation oder Vorwürfe („Du leistest in letzter Zeit einfach zu wenig“ oder „Du machst zu viele Fehler“). Das führt unweigerlich zu einer Abwehrhaltung und kann Gespräche verschließen.

Erfolgreich ist stattdessen die wertfreie Beobachtung aus der Ich-Perspektive. Ein Einstieg könnte lauten:

„Mir ist aufgefallen, dass Du in den letzten zwei Wochen in den Teambesprechungen sehr ruhig warst und Dich aus Gespräch zurückziehst. Zudem ist eine wichtige Aufgabe nicht fristgerecht erledigt worden. Ich mache mir Sorgen, dass Dir gerade alles über den Kopf wächst. Wie geht es Dir aktuell? Wie nimmst Du die Situation wahr?“

Das Signal: Ich sehe dich als Mensch, nicht nur als Arbeitskraft. Wichtig ist, im Gespräch zuzuhören, ohne sofort Ratschläge zu erteilen. Oft reicht es im ersten Schritt, den Druck herauszunehmen und zu signalisieren, dass Fehler im Lernprozess normal sind. Trotzdem gilt es diese anzusprechen und nach Lösungen und Auswegen zu suchen.


2. Werkzeuge für die Praxis: Resilienz im Ausbildungskonstrukt

Um die psychische Widerstandskraft (Resilienz) von Nachwuchskräften von vornherein zu stärken, können Unternehmen kleine, aber wirksame Hebel in den Ausbildungsplan integrieren.

Drei Ansätze haben sich in der Praxis besonders bewährt:

  • Erwartungsmanagement durch Transparenz:

Viele junge Menschen leiden unter einem permanenten, oft selbst auferlegten Perfektionsdruck. Ausbilder:innen sollten klar definieren, was „gute Arbeit“ bedeutet und dass Fehler in der Ausbildung explizit erlaubt sind, um daraus zu lernen.

  • Ressourcenorientiertes Feedback:

Ein Feedbackgespräch sollte nicht nur Defizite auflisten. Wer positive Verstärkung nutzt und die individuellen Stärken der Auszubildenden in den Vordergrund stellt, baut deren psychisches Fundament nachhaltig auf.

  • Stärkung der sieben Resilienzfaktoren:

Resilienz lässt sich gezielt trainieren, indem Kernkompetenzen der Selbstwirksamkeit, wie Lösungsorientierung und soziale Vernetzung, gefördert werden. Ausbilder:innen können dies z.B. aktivieren, indem sie Azubis gezielt ermutigen, eigene Lösungsansätze bei Herausforderungen zu entwickeln. Wer lernt, in Lösungen statt in Problemen zu denken, entwickelt genau die mentale Stärke, die im Berufsleben den entscheidenden Unterschied ausmacht.

Wenn die Probleme jedoch tiefer liegen (z.B. bei Depressionen, Suchtproblemen oder familiären Krisen), endet die Zuständigkeit des Ausbildungsbetriebs. Hier gilt es, die Brücke zu bauen: Die Einbindung des Betriebsrats, der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) oder der Verweis auf die psychosozialen Beratungsstellen der Kammern (IHK/HWK) sowie die Inanspruchnahme der ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) der Agentur für Arbeit sind dann die professionellen Folgeschritte. Viele Unternehmen verfügen auch über einen eigenen Sozialdienst oder ein EAP-Programm, auf welc


3. Weiterführende Links


Autorinnen: Katja Jochim und Michaela Fuchs, InWork Akademie

Katja Jochim (M.Sc. Kommunikations- u. Betriebspsychologie & Mental Health Ersthelferin) und Michaela Fuchs (Systemische Beraterin & Expertin Teamprozesse/Resilienz), Inhaberinnen der InWork Akademie, sind seit mehr als 25 Jahren als Beraterinnen und Trainerinnen tätig, um Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten. Sie erleben täglich  im Trainingsalltag, wie sich die Nachwuchskräfte Anforderungen verändern. Ohne Schema F, aber mit neurowissenschaftlich fundierter Expertise unterstützen sie Unternehmen dabei, die psychische Widerstandskraft von Auszubildenden, zu stärken und ein gesundes, zukunftsfähiges Ausbildungsumfeld zu schaffen. Kontakt und  Impulse: www.inwork-akademie.de


💡Lesetipps der wirAUSBILDER-Redaktion

Passend zu diesem Beitrag:

  • Teil 1: Psychische Krisen bei Azubis frühzeitig erkennen – Wie Ausbilder:innen Warnsignale wahrnehmen und angemessen reagieren
  • Checkliste zu Teil 2: Richtig reagieren bei mentaler Belastung von Azubis

Weitere Tipps:

🔎 Zur Übersicht aller Arbeitshilfen und Checklisten für Ausbilder:innen
🔎 Zur Übersicht aller Arbeitshilfen und Checklisten für Azubis

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