Selbstorganisation für Azubis: 7 Tipps für mehr Struktur im Ausbildungsalltag
Reihe: Kompetenzen in der Ausbildung | #4
Im vorherigen Beitrag unserer Blog-Reihe haben wir gezeigt, wie Ausbilder:innen die Lernmotivation ihrer Auszubildenden gezielt fördern können. Doch Motivation allein reicht nicht aus. Auszubildende müssen zunehmend lernen, Aufgaben, Termine und Lernzeiten selbstständig zu planen, Prioritäten zu setzen und den Überblick über unterschiedliche Anforderungen zu behalten. Eine gute Selbstorganisation hilft ihnen dabei, ihren Ausbildungsalltag eigenverantwortlich zu gestalten.

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1. Selbstorganisation ist eine wichtige Ausbildungskompetenz
Der Ausbildungsalltag stellt junge Menschen vor unterschiedliche Anforderungen: Betriebliche Aufgaben müssen erledigt, Termine eingehalten, Berufsschule und Lernen miteinander vereinbart sowie Klausur- und Prüfungstermine im Blick behalten werden. Gerade zu Beginn der Ausbildung fällt es vielen Auszubildenden noch schwer, Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden, den eigenen Zeitbedarf realistisch einzuschätzen oder größere Aufgaben sinnvoll zu strukturieren.
Selbstorganisation bedeutet deshalb mehr, als einen Kalender zu führen oder To-do-Listen zu schreiben. Auszubildende lernen, ihre Aufgaben und Lernprozesse eigenständig zu planen, Prioritäten zu setzen, ihre Zeit sinnvoll einzuteilen und zu überprüfen, ob die eigene Planung funktioniert. Damit trägt Selbstorganisation auch zur Entwicklung von Selbstlernkompetenz und beruflicher Handlungsfähigkeit bei.
2. Ein Toolkoffer für mehr Selbstorganisation
Wir Ausbilder:innen können unsere Auszubildenden dabei unterstützen, geeignete Methoden kennenzulernen, auszuprobieren und zunehmend selbstständig einzusetzen:
- Wochenplan nutzen: Betriebliche Aufgaben, Berufsschule, Lernzeiten und wichtige Termine werden übersichtlich geplant. Die ALPEN-Methode kann bspw. dabei helfen, Aufgaben und Zeitbedarf realistisch zu planen und bewusst Pufferzeiten für Unvorhergesehenes zu berücksichtigen.
- Prioritäten setzen: Nicht jede Aufgabe ist gleich wichtig oder dringend. Eine übersichtliche Aufgabenliste oder die ABC-Analyse hilft dabei, Aufgaben nach ihrer Bedeutung zu priorisieren und den Arbeitsalltag sinnvoll zu strukturieren.
- Größere Aufgaben in Teilschritte bzw. Teilaufgaben zerlegen: Überschaubare Arbeitsschritte erleichtern den Einstieg, machen Fortschritte sichtbar und helfen dabei, umfangreichere Aufgaben systematisch zu bearbeiten.
- Lernjournal führen: Kurze Einträge wie „Was habe ich heute gelernt?“, „Was ist noch offen?“ oder „Was nehme ich mir als Nächstes vor?“ unterstützen die Reflexion und Planung des eigenen Lernprozesses.
- Fokus-Techniken ausprobieren: Die Pomodoro-Technik unterteilt die Arbeits- oder Lernzeit in konzentrierte Arbeitsphasen und kurze Pausen. Beispielsweise wird 25 Minuten fokussiert gearbeitet und anschließend eine kurze Pause eingelegt. Das kann helfen, Ablenkungen zu reduzieren und auch unangenehme Aufgaben leichter zu beginnen.
- Störungen bewusst reduzieren: Smartphone, Benachrichtigungen oder häufige Unterbrechungen erschweren konzentriertes Arbeiten. Gemeinsam kann überlegt werden, welche Störfaktoren sich während einer Arbeits- oder Lernphase gezielt reduzieren lassen.
- Planung regelmäßig überprüfen: Am Ende des Tages oder der Woche hilft ein kurzer Rückblick: Was habe ich geschafft? Was ist noch offen? Was sollte ich beim nächsten Mal anders planen?
3. Auch in stressigen Phasen den Überblick behalten
Eine gute Selbstorganisation ist besonders dann wichtig, wenn mehrere Aufgaben und Termine gleichzeitig anstehen oder Prüfungen näher rücken. Wer erst reagiert, wenn der Zeitdruck bereits groß ist, erlebt häufig zusätzlichen Stress.
Das gilt besonders für die Prüfungsvorbereitung. Statt große Stoffmengen erst kurz vor der Prüfung zu bearbeiten, hilft es, frühzeitig zu beginnen, den Lernstoff in überschaubare Einheiten aufzuteilen und regelmäßige Lernzeiten einzuplanen. Übungsaufgaben unter realistischen Prüfungsbedingungen können zusätzlich Sicherheit geben und helfen, den eigenen Lernstand einzuschätzen. Auch bewusste Pausen und ausreichend Erholung gehören zu einer guten Prüfungsvorbereitung.
Wir Ausbilder:innen können unsere Azubis unterstützen, indem wir rechtzeitig nach dem Stand der Prüfungsvorbereitung fragen, bei Bedarf bei der Strukturierung helfen und gemeinsam realistische Etappenziele vereinbaren. Dabei gilt: So viel Unterstützung wie nötig, so viel Selbstständigkeit wie möglich. Schließlich besteht das Ziel darin, dass Auszubildende ihren Arbeits- und Lernalltag zunehmend eigenverantwortlich organisieren.
4. Fazit
Selbstorganisation entwickelt sich nicht von heute auf morgen. Auszubildende benötigen Möglichkeiten, verschiedene Methoden auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und ihre Planung immer wieder anzupassen. Wir Ausbilder:innen können diesen Prozess begleiten, indem wir geeignete Werkzeuge vermitteln, zur Reflexion anregen und Verantwortung schrittweise übertragen. So lernen Auszubildende, ihren Arbeits- und Lernalltag zunehmend selbstständig zu gestalten – eine wichtige Voraussetzung für Ausbildung, Prüfung und späteres Berufsleben.
5. Vorschau auf den nächsten Beitrag
Selbstorganisation bedeutet nicht, dass Auszubildende beim Lernen auf sich allein gestellt sind. Im nächsten Teil unserer Blogreihe geht es deshalb darum, wie wir Ausbilder:innen Lernprozesse gezielt begleiten können. Dabei betrachten wir, welche Rolle, Haltung und Methoden eine gute Lernbegleitung ausmachen und wie wir Auszubildende dabei unterstützen können, zunehmend selbstständig zu lernen und Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen.
Autorin: Nadine Jungfleisch, Dozentin, Referentin, Ausbilderin, Personalentwicklerin und Lerncoach, www.pruefung-erfolg.de
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