Studie Azubi-Recruiting Trends 2026 I Teil 2: Warum Ausbildende ihre Azubis anders wahrnehmen
Kommunikationslücken als Chance für die Ausbildung

1. Die Studie gibt Ausbildenden zu denken
Viele Ausbildende berichten von ähnlichen Erfahrungen: Azubis wirken aus ihrer Sicht weniger belastbar, weniger zuverlässig oder weniger zielstrebig als frühere Generationen. Doch wie sehen sich die jungen Menschen selbst?
Die aktuelle Studie „Azubi-Recruiting Trends 2026“ von u-form Testsysteme liefert dazu spannende Erkenntnisse. Mit insgesamt 11.613 Teilnehmenden, darunter Azubis, dual Studierende, Schüler:innen sowie Ausbildungsverantwortliche, gehört sie zu den größten Untersuchungen zur dualen Ausbildung in Deutschland.
Das Ergebnis: Zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung bestehen erhebliche Unterschiede.
2. Das zentrale Problem: Zwei Perspektiven, zwei Wirklichkeiten
Die Studienergebnisse zeigen, dass Ausbildende und Azubis dieselben Eigenschaften oft völlig unterschiedlich bewerten.

Psychische Belastbarkeit
- 37 % der Azubis bewerten ihre psychische Belastbarkeit als stark ausgeprägt.
- Nur 3 % der Ausbildenden sehen dies bei ihren eigenen Azubis so.
- Gleichzeitig halten 55 % der Ausbildenden ihre Azubis für wenig oder gar nicht belastbar.
Zuverlässigkeit
- 74 % der Azubis bezeichnen sich selbst als sehr zuverlässig.
- Nur 13 % der Ausbildenden stimmen dieser Einschätzung im Hinblick auf ihre eigenen Auszubildenden zu.
Zielstrebigkeit
- 57 % der Befragten aus der Generation Azubi sehen sich als besonders zielstrebig.
- Lediglich 12 % der Ausbildenden teilen diese Einschätzung.
Fleiß
- 48 % der jungen Menschen halten sich für ausgesprochen fleißig.
- Nur 10 % der Ausbildungsverantwortlichen bewerten ihre Azubis entsprechend.
Loyalität
- 74 % der Azubis schreiben sich selbst eine hohe Loyalität zu.
- Nur 18 % der Ausbildenden nehmen dies bei ihren Auszubildenden wahr.
Die Zahlen machen deutlich: Das eigentliche Problem liegt nicht zwingend in fehlenden Kompetenzen, sondern häufig in unterschiedlichen Erwartungen, Interpretationen und Kommunikationsmustern.
3. Was bedeutet das für Ausbildende?
Ausbildende sollten die Ergebnisse nicht vorschnell als Beleg für mangelnde Selbstreflexion der jungen Generation interpretieren.
Vielmehr wirft die Studie eine wichtige Frage auf:
Sprechen Ausbilder:innen und Azubis überhaupt von denselben Dingen, wenn sie Begriffe wie Zuverlässigkeit, Loyalität oder Belastbarkeit verwenden?
Ein Beispiel:
Während Ausbildende Loyalität häufig mit langfristiger Unternehmensbindung verbinden, verstehen viele junge Menschen darunter einen respektvollen Umgang, Verlässlichkeit im Team oder die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Beide Seiten können also dieselbe Eigenschaft unterschiedlich definieren und deshalb zu unterschiedlichen Bewertungen gelangen.
4. Die Lösung: Feedback als Übersetzungshilfe zwischen den Generationen
Die Studieninitiatorin Felicia Ullrich empfiehlt deshalb eine intensive Feedbackkultur von Beginn der Ausbildung an.
Für Ausbildende bedeutet das, dass Feedback
- regelmäßig stattfinden
- konkret beobachtbares Verhalten beschreiben
- Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen
- als Unterstützung und nicht als Urteil wahrgenommen werden
- gegenseitige Erwartungen transparent machen
sollte.
Gerade junge Menschen benötigen Orientierung darüber, welche Verhaltensweisen im betrieblichen Kontext konkret erwartet werden.
Wer ausschließlich bewertet, riskiert Missverständnisse. Wer erklärt und gemeinsam reflektiert, fördert Entwicklung.
5. Praxis-Check für Ausbildende
Nutze die folgenden Reflexionsfragen für Deine eigene Ausbildungspraxis:
- Haben wir im Team ein gemeinsames Verständnis von Zuverlässigkeit?
- Besprechen wir regelmäßig Erwartungen an Verhalten und Leistung?
- Erhalten Azubis frühzeitig konstruktives Feedback?
- Gibt es Raum für Rückfragen und Gegenperspektiven?
- Werden Stärken ebenso häufig angesprochen wie Defizite?
Bereits kleine Veränderungen in der Kommunikation können dazu beitragen, Wahrnehmungslücken deutlich zu verkleinern.
6. Was Azubis heute von Arbeitgebern erwarten
Neben den Wahrnehmungsunterschieden untersuchte die Studie auch die Erwartungen an zukünftige Arbeitgeber.

Besonders wichtig sind für die Generation Azubi:
- Arbeitsatmosphäre (88 %)
- Jobsicherheit (86 %)
- Wertschätzung (83 %)
- Attraktives Gehalt (79 %)
Vergleichsweise weniger relevant werden derzeit bewertet:
- Diversität (33 %)
- Nachhaltigkeit (29 %)
Für Ausbildungsbetriebe bedeutet das: Eine wertschätzende Ausbildungskultur bleibt einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren im Recruiting und in der Bindung junger Talente.
7. Generation Alpha: Persönlicher Kontakt gewinnt wieder an Bedeutung
Eine weitere spannende Erkenntnis der Studie betrifft die Generation Alpha.

Während Ausbildungswerbung auf Instagram bei den jüngeren Jahrgängen deutlich an Aufmerksamkeit verliert, bleibt TikTok weiterhin relevant.
Noch interessanter für Ausbildende:
- 65 % der Generation Alpha wünschen sich persönlichen Kontakt zu Azubis in Stellenanzeigen.
- Bei der Generation Z sind es 48 %.
Der Wunsch nach authentischen Einblicken und echten Ansprechpartner:innen wächst also.
Für Ausbildungsmarketing und Recruiting kann dies ein wichtiger Hinweis sein:
Menschen überzeugen Menschen.
Azubi-Botschafter:innen, Erfahrungsberichte und persönliche Kontakte gewinnen weiter an Bedeutung.
8. Fazit: Der Dialog entscheidet über den Ausbildungserfolg
- Die Studie zeigt weniger ein Generationenproblem als vielmehr eine Kommunikationsaufgabe.
- Zwischen der Selbstwahrnehmung von Azubis und der Wahrnehmung durch Ausbildende bestehen teilweise erhebliche Unterschiede. Anstatt diese Unterschiede als Defizit der einen oder anderen Seite zu bewerten, sollten Ausbildungsbetriebe sie als Anlass für mehr Austausch nutzen.
- Wer Erwartungen offen bespricht, regelmäßig Feedback gibt und gemeinsame Begriffe klärt, schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Generationen.
Die wichtigste Erkenntnis für Ausbildende lautet deshalb: Nicht die Unterschiede sind das Problem, sondern wenn niemand darüber spricht.
Quelle: u-Form Pressemitteilung vom 23.09.2026
Die Studie wird wie in den vergangenen Jahren wissenschaftlich von Prof. Dr. Christoph Beck begleitet. Studienpartner ist AUBI-plus. Der erste Teil der Azubi-Recruiting Trends 2026 ist im Mai 2026 erschienen (den passenden Blog-Beitrag findest Du hier). Weitere Informationen zu beiden Teilen der Studie auch unter: www.testsysteme.de/studie
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Über die u-form Gruppe
Der u-form Verlag bietet Materialien zur Vorbereitung auf IHK-Prüfungen. Das Solinger Familienunternehmen ist seit über 75 Jahren Partner der Industrie- und Handelskammern. Die u-form Testsysteme GmbH & Co. KG wurden 2007 aus dem Verlag ausgegliedert. Weitere Informationen unter: www.testsysteme.de.
Über die AUBI-plus GmbH
AUBI-plus besetzt Ausbildungsstellen seiner Kunden, zertifiziert deren Ausbildungsqualität mit dem Gütesiegel BEST PLACE TO LEARN® und qualifiziert Ausbildende, insbesondere über das DEUTSCHE AUSBILDUNGSFORUM (DAF). Weitere Informationen unter: www.aubi-plus.de
Quelle: u-Form Pressemitteilung vom 23.09.2026