Stärken von Azubis erkennen und gezielt fördern
„Was sind Deine Stärken?“ – Potenziale sichtbar machen
Eine Frage, die jede:r Ausbilder:in seinen Azubis schon gestellt hat: „Was sind Deine Stärken?“. Die Antworten sind oft sehr ähnlich: teamfähig, zuverlässig, hilfsbereit. Doch wissen Azubis wirklich, wo ihre persönlichen Stärken und Talente liegen? Und nutzen wir Ausbilder:innen dieses Wissen während der Ausbildung? Dabei liegt genau hier ein großer Schlüssel für die Entwicklung junger Menschen.

Dieser Beitrag zeigt, wie Du die Stärken Deiner Azubis bewusster erkennen und ihre Entwicklung unterstützen kannst.
1. Starke Wurzeln ermöglichen Wachstum
Für persönliche Entwicklung nutze ich gerne das Bild eines Baumes. Damit ein Baum langfristig wachsen, Stürme überdauern und Früchte tragen kann, braucht er starke Wurzeln.
Auf den Menschen übertragen sind diese Wurzeln für mich die Antworten auf folgende Fragen:
- Wer bin ich?
- Was sind meine persönlichen Stärken und Fähigkeiten?
- Was will ich wirklich im Leben?
Je besser ein junger Mensch sich selbst kennt, desto stärker ist sein Fundament für die weitere persönliche und berufliche Entwicklung.
Im Ausbildungsalltag schauen wir häufig auf Leistung, Noten und Verbesserungspotenziale im fachlichen Bereich. Alles wichtig. Doch genauso sollten wir fragen: Wo liegen die Stärken und Fähigkeiten des jungen Menschen und was kann dieser besonders gut?
2. Genau hinschauen und nachfragen
Als Ausbilder:in kannst Du dabei eine wichtige Rolle übernehmen. Der erste Schritt ist: beobachten.
- Was fällt Deinem Azubi leicht?
- Welche Aufgaben übernimmt er gerne?
- Wann übernimmt er von sich aus Verantwortung?
- Wann wirkt er besonders motiviert?
Auch Gespräche helfen. Dabei lohnt sich der Blick über die Ausbildung hinaus:
- Was machst Du besonders gerne?
- Womit beschäftigst Du Dich in Deiner Freizeit?
- Worüber könntest Du lange sprechen?
- Wie würde Dein perfekter Tag aussehen?
Praxistipp: Wiederholen sich bei verschiedenen Fragen bestimmte Themen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Spielt ein Azubi beispielsweise leidenschaftlich Basketball, muss Basketball selbst noch keine Stärke sein. Spannend wird das Warum:
- Begeistert ihn der Wettbewerb?
- Übernimmt er Verantwortung?
- Motiviert er andere?
- Oder ist ihm das gemeinsame Arbeiten im Team besonders wichtig?
Durch Nachfragen können Fähigkeiten sichtbar werden, die auch im Beruf eine Rolle spielen.
3. Erkennen – und Möglichkeiten schaffen
Stärken zu erkennen, ist nur der Anfang. Entscheidend ist, dass auch der Azubi selbst versteht: Das kann ich gut und hier kann ich diese Fähigkeit einsetzen. Das vermittelt Sinn und motiviert unheimlich.
Natürlich müssen Azubis verschiedene Aufgaben und Abteilungen kennenlernen. Langfristig können wir aber überlegen:
- Wo kann dieser Mensch seine Fähigkeiten besonders gut einbringen?
- Welche Aufgaben passen zu seinen Stärken?
- Wo können wir ihm Verantwortung geben?
Denn wer seine Stärken kennt und einsetzen kann, erlebt häufiger Erfolg und Spaß an seiner Arbeit. Davon profitieren Azubi und Unternehmen.
Vielleicht sollten wir genau deshalb bei der nächsten Antwort auf „Was sind deine Stärken?“ nicht stehen bleiben, sondern tiefer fragen und interessiert sein. Denn aus starken Wurzeln kann ein starker Baum entstehen.
Autor: Christian Burkhardt, ERVOLLGS-AKADEMIE
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