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Auffälliges Verhalten von Azubis besser verstehen (Teil 1 von 2)

Warum das Nervensystem Lernen, Konzentration und Zusammenarbeit beeinflusst

Ausbilder:innen erleben immer wieder Situationen, in denen Auszubildende unkonzentriert, unzuverlässig oder schnell überfordert wirken. Oft richtet sich der Blick zunächst auf das sichtbare Verhalten. Doch was, wenn die eigentlichen Ursachen tiefer liegen?

Beitrag: Starkes Nervensystem von Silvia Freeborn (Teil 1)
©AdobeStock I Arjuna I generiert mit KI

Dieser Beitrag zeigt, warum das Nervensystem einen entscheidenden Einfluss auf unser Verhalten hat. Das Lernen, Konzentration, Selbstorganisation und der Umgang mit Herausforderungen ebenfalls etwas mit dem Zustand unseres Nervensystems zu tun haben. Du erfährst, weshalb auffälliges Verhalten häufig nur die sichtbare Oberfläche ist und wie ein Perspektivwechsel Ausbilder:innen dabei helfen kann, Auszubildende besser zu verstehen und wirksamer zu begleiten.

Dieser Blog-Beitrag ist Teil einer zweiteiligen Serie zum Thema Nervensystem und Ausbildung. Den Link zum jeweils anderen Teil findest Du am Ende dieses Beitrags.


1. Mehr als nur Verhalten: Was wirklich dahintersteckt

Wenn Auszubildende unzuverlässig, unkonzentriert oder schnell überfordert wirken, schauen wir häufig zuerst auf ihr Verhalten:

  • Sie kommen zu spät.
  • Sie sind öfter krank.
  • Aufgaben bleiben liegen.
  • Sie tun sich schwer mit der Selbstorganisation.
  • Absprachen werden nicht eingehalten.
  • Kritik wird schnell persönlich genommen.
  • Manche reagieren gereizt.
  • Manche ziehen sich zurück und wirken plötzlich völlig unmotiviert.

Für Ausbildungsverantwortliche bedeutet das: Gespräche führen, erinnern, auffangen, nachhalten. Und irgendwann schleicht sich natürlich auch die Frage ein:
„Warum bekommt der junge Mensch das nicht hin?“

Diese Frage ist verständlich, aber sie greift möglicherweise zu kurz. Denn das Verhalten, das wir von außen beobachten, ist nur die sichtbare Ebene.

Darunter arbeitet ein System, das erheblichen Einfluss darauf hat, wie ein Mensch in bestimmten Situationen reagiert: das Nervensystem.


2. Das von außen sichtbare Verhalten ist eine adaptiver Schutzreflex unseres Nervensystems

Unser Nervensystem bewertet fortlaufend, ob eine Situation sicher oder eher bedrohlich wirkt. Bewertet es etwas als Bedrohung, verändert sich auch unser Verhalten. Dabei muss diese Bewertung nicht der tatsächlichen Situation entsprechen. Das Nervensystem greift dabei auf frühere Erfahrungen zurück. Dieser Prozess läuft automatisch und unterhalb unserer bewussten Wahrnehmung ab, noch bevor wir die Situation bewusst einordnen können.

Schaltet ein Nervensystem in einen Schutzreflex, stehen für Konzentration und Selbststeuerung keinen Ressourcen mehr zur Verfügung  – und auch Offenheit, Freude und ein gutes soziales Miteinander leiden darunter. Kritik kann sich plötzlich wie ein Angriff anfühlen. Eine kleine Anforderung wird zum großen Problem. Rückzug, Gereiztheit oder Vermeidung sind dann oft die Folge und nicht das eigentliche Problem.

Das bedeutet nicht, dass Verhalten keine Konsequenzen haben darf. Es bedeutet aber, dass wir junge Menschen besser unterstützen können, wenn wir nicht ausschließlich versuchen, das sichtbare Verhalten zu korrigieren, sondern ihnen zeigen, was darunter passiert.


3. Fazit: Verhalten verstehen statt bewerten

Für mich liegt darin ein wichtiger Schlüssel in der Ausbildung. Wenn wir verstehen, dass das wir im Ausbildungsalltag beobachten, häufig nur die sichtbare Spitze des Eisbergs ist. Wenn wir verstehen, das hinter Unkonzentriertheit, Rückzug, Gereiztheit oder mangelnder Selbstorganisation Prozesse im Nervensystem stehen, die jungen Menschen das Lernen und Handeln auf einer tieferen biologischen Ebene erschweren, kann ein neues Verständnis entstehen. Denn Selbstorganisation, Zuverlässigkeit oder ein konstruktiver Umgang mit Kritik entstehen nicht allein durch Gespräche. Manchmal müssen wir eine Ebene tiefer ansetzen.


4. Vorschau auf Teil 2 des Beitrags

Im zweiten Teil erfährst Du, wie es dazu kommen kann, dass ein Nervensystem so reagiert und wie man einen neuen Umgang damit finden kann. Welche Bedeutung ein gut reguliertes Nervensystem für Lernen, Kommunikation und persönliche Entwicklung hat.

>> Jetzt lesen.


Autorin: Silvia Freeborn, FREEBORN Nervensystemtraining


💡 Lesetipps der wirAUSBILDER-Redaktion

Ergänzend:

🔎 Zur Übersicht aller Arbeitshilfen und Checklisten für Ausbilder:innen
🔎 Zur Übersicht aller Arbeitshilfen und Checklisten für Azubis

💡 Buchtipp der wirAUSBILDER-Redaktion

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