Wenn aus Erfahrung Orientierung wird
So begleitest Du Praktikant:innen wirksam bei ihrer Berufswahl
Ein Praktikum kann weit mehr sein als ein erster Einblick in die Arbeitswelt. Erfahre in diesem Artikel, wie ein Praktikum jungen Menschen bei der Wahl ihres Berufs entscheidend helfen kann und wie Du als Ausbilder:in unter anderem mit digitalen Angeboten diesen Prozess unterstützt.

Dieser Beitrag zeigt, wie Du Praktikant:innen bei ihrer Berufsorientierung wirksam begleiten kannst. Du erfährst, warum Reflexion eine zentrale Rolle spielt, wie einfache Fragen und gezieltes Feedback die Berufswahl unterstützen und welche digitalen Angebote den Prozess erleichtern können. Ergänzend erhältst Du eine praktische Checkliste für die erfolgreiche Begleitung von Praktika.
1. Du hast als Ausbilder:in Einfluss auf die Berufswahl junger Menschen
Ein Praktikum ist die Gelegenheit für junge Menschen Berufsfelder zu entdecken, Einblicke in Arbeitsabläufe zu bekommen, den Arbeitsalltag und die Unternehmenskultur eines Betriebs kennenzulernen. Als Ausbilder:in vermittelst Du während des Praktikums nicht nur die typischen Tätigkeiten eines Berufs. Neben den fachlichen Inhalten prägst Du oft den Gesamteindruck, den Jugendliche zu diesem Zeitpunkt von einem Beruf haben. Und damit beeinflusst Du auch ihre Berufswahl, manchmal sogar nachhaltig.
2. Durch Reflexion wird Erlebtes zur Lernerfahrung
Ein Praktikum allein führt aber nicht automatisch dazu, dass ein junger Mensch danach weiß, welcher Beruf für ihn der richtige ist. Berufliche Orientierung entsteht, wenn das Erlebte reflektiert und mit eigenen Werten, Vorstellungen und Erwartungen abgeglichen wird.
3. Wie kannst Du als Ausbilder:in unterstützen?
Als Ausbilder:in begleitest Du den Prozess der Berufsorientierung junger Menschen aktiv. Du musst dafür nicht zwangsläufig einen pädagogischen Hintergrund haben. Schon einfache Fragen und Impulse helfen, Erwartungen zu konkretisieren und Erlebtes einzuordnen.
So kannst Du die Reflexion und Orientierung fördern:
1. Offene Fragen stellen
Statt „Na, wie war’s?“ frage besser konkreter:
- „Welche Aufgabe hat Dir heute am meisten Spaß gemacht?“
- „Was war heute schwieriger als gedacht?“
- „Gab es etwas, das dich überrascht hat?“
2. Konkretes Feedback
Statt eines pauschalen „Das hast Du gut gemacht“ hilft es Jugendlichen eher, ihre Stärken zu erkennen, wenn ihnen gesagt wird, was genau gut war, z.B.:
- „Mir ist aufgefallen, dass Du sehr sorgfältig gearbeitet hast.“
- „Du hast das Problem schnell erkannt.“
- „Super, dass Du so ruhig geblieben bist, obwohl es sehr stressig war.“
3. Kurze Gesprächsanlässe
Oft reichen ein paar Minuten, um kurz gemeinsam auf den Tag zurückzublicken.
- „Was ist gut gelaufen?“
- „Wo gab es Herausforderungen?“
- „Was brauchst Du, um es beim nächsten Mal besser zu machen?“
4. Digitale Unterstützung erleichtert die Begleitung
Diese Begleitung kostet nicht unbedingt mehr Zeit – entscheidend sind meist die richtigen Anknüpfungsstellen. Digitale Angebote können Dir dabei helfen, Gespräche und Reflexionen einfacher in den Praktikumsalltag zu integrieren. Sie geben kontinuierlich kleine Impulse, die zur Auseinandersetzung anregen und bieten Dir damit eine gute Grundlage für Gespräche. Das gelingt z.B. mit der Praktikums-App preezy, entwickelt für das Berufsorientierungsportal zynd vom BIBB – Bundesinstitut für Berufsbildung (weiter Informationen zu diesem Angebot findest Du unter Punkt 6.).
5. Orientierung entsteht im Dialog
Ein Praktikum ist nicht unbedingt dann gelungen, wenn sich der junge Mensch im Anschluss auf eine Ausbildungsstelle in Deinem Betrieb bewirbt. Es ist gelungen, wenn Jugendliche danach besser einschätzen können, was sie in dem Beruf erwartet und ob er zu ihren Interessen und Fähigkeiten passt – oder auch nicht.
Mit Deiner Begleitung, Deinen Impulsen und Fragen kannst Du junge Menschen auf ihrem Weg begleiten. Vielleicht hattest Du selbst am Anfang Deines beruflichen Weges Personen, die Dich geprägt und Deine Entscheidung beeinflusst haben, genau diesen Beruf zu wählen. Das kannst Du heute zurückgeben. Das Gute: Dafür braucht es kein pädagogisches Konzept, sondern Interesse, Zeit und die richtigen Fragen.
6. Informationen zum Angebot des BIBB – Bundesinstitut für Berufsbildung
Die kostenlose Praktikums-App preezy unterstützt Jugendliche bei der Dokumentation und Reflexion von Praktika – inklusive Berichtsfunktion, Reflexionsfragen und Feedbackoptionen. Sie ist Teil der Berufsorientierungsplattform zynd und ein Angebot des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Autorin: Jenny Tiesler, Bundesinstitut für Berufsbildung
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>> Zum Beitrag: „Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt: Fehlt die Inspiration?“
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