Nachhaltigkeit in der Ausbildung: So gelingt der Einstieg ohne Mehraufwand
Warum Nachhaltigkeit kein Zusatzthema ist und wie Du sie Schritt für Schritt in bestehende Ausbildungsaufgaben integrierst
„Nachhaltigkeit? Ja, wichtig – aber wann soll ich das auch noch machen?“ Diese Frage höre ich häufig von Ausbildungsverantwortlichen. Die gute Nachricht: Du musst Deine Ausbildung nicht komplett neu erfinden. Seit der Aktualisierung der Standardberufsbildpositionen im Jahr 2021 gehört Nachhaltigkeit zwar verbindlich zu jeder Berufsausbildung, sie ist jedoch kein zusätzliches Unterrichtsthema, sondern eine neue Perspektive auf das, was Du Deinen Auszubildenden ohnehin jeden Tag vermittelst.

Dieser Beitrag informiert darüber, warum Nachhaltigkeit Unternehmen stärkt und zeigt Dir, wie Du in wenigen Schritten mit der Umsetzung beginnen kannst.
Eine praktische Checkliste inkl. zahlreicher Praxisbeispiele ergänzt den Beitrag und unterstützen Dich ganz konkret bei der Umsetzung.
1. Eine nachhaltigkeitsorientierte Ausbildung macht Unternehmen zukunftsfähig
Unternehmen stehen heute vor großen Herausforderungen: Sie suchen Fachkräfte, müssen mit knappen Ressourcen wirtschaften und Veränderungen aktiv gestalten. Dafür brauchen sie Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen, Zusammenhänge erkennen und eigene Ideen einbringen.
Genau hier setzt eine nachhaltigkeitsorientierte Ausbildung an. Sie vermittelt nicht nur Fachwissen, sondern fördert die berufliche Handlungskompetenz – also die Fähigkeit, wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte bei Entscheidungen mitzudenken. Das stärkt nicht nur Deine Auszubildenden, sondern macht Dein Unternehmen auch innovativer und attraktiver für zukünftige Fachkräfte.
2. Vier Schritte für den Einstieg
Der Einstieg muss weder aufwendig noch perfekt sein. Oft reicht ein Perspektivwechsel.
- Entdecke, was bereits da ist.
Schau auf Deinen Ausbildungsalltag: Wo sprechen Deine Auszubildenden schon heute über Qualität, Materialeinsatz, Arbeitssicherheit, Kundenorientierung oder Zusammenarbeit? Genau dort beginnt Nachhaltigkeit. - Gib Deinen Azubis eine Stimme.
Frage sie: Was können wir im Betrieb verbessern? Junge Menschen bringen häufig frische Ideen mit – vom bewussteren Ressourceneinsatz bis hin zu neuen Abläufen. - Starte mit einer kleinen Aufgabe.
Lass Auszubildende beispielsweise Verpackungen vergleichen, den Energieverbrauch einer Abteilung beobachten oder Verbesserungsvorschläge für ihren Arbeitsplatz entwickeln. Kleine Projekte schaffen schnelle Erfolgserlebnisse und zeigen, dass ihre Ideen etwas bewirken. - Mache Nachhaltigkeit zum Gesprächsthema.
Ob im Feedbackgespräch, im Berichtsheft oder bei einer Projektbesprechung – regelmäßige Reflexion hilft, nachhaltiges Denken selbstverständlich in den Berufsalltag zu integrieren.
3. Praxistipp:
Ausbildungsaufgabe + Nachhaltigkeitsfrage = BBNE
Zum Beispiel:
- Arbeitsplatz einrichten + Wie kann ich Ressourcen schonen?
- Kunden beraten + Welche nachhaltige Lösung gibt es?
- Material bestellen + Welche Auswirkungen hat meine Auswahl?
- Arbeitsabläufe verbessern + Wie können wir wirtschaftlicher, umweltverträglicher und sozial verantwortungsvoll handeln?
Zum >> Download der Checkliste inkl. Praxisbeispielen: Nachhaltigkeit in der Ausbildung verankern
4. Fang nicht perfekt an – fang an!
Nachhaltigkeit in der Ausbildung bedeutet nicht, alles neu zu machen. Sie bedeutet, vorhandene Ausbildungsinhalte um eine wichtige Zukunftsperspektive zu erweitern. Ausbilder:innen müssen dabei keine Nachhaltigkeitsexpert:innen sein. Viel wichtiger ist die Bereitschaft, gemeinsam mit den Auszubildenden zu lernen, Fragen zu stellen und Verantwortung zu fördern.
Denn jede Ausbildung gestaltet Zukunft – und jeder kleine Schritt macht Unternehmen und ihre Fachkräfte ein Stück zukunftsfähiger.
Autorin: Claudia Strzelecki, Bildungsreferentin für nachhaltige Entwicklung (BNE/BBNE)
Weiterführende Informationen:
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Die aktualisierten Standardberufsbildpositionen
- Nachhaltigkeit in der Berufsausbildung
- Programm „Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden“
💡Lesetipps der wirAUSBILDER-Redaktion
Passend zu diesem Beitrag: >> Checkliste inkl. Praxisbeispielen: Nachhaltigkeit in der Ausbildung verankern
Weitere Tipps:
- Blogreihe: Nachhaltige Kompetenzentwicklung in der Ausbildung inkl. Arbeitshilfen und Checklisten für Ausbilder:innen und Azubis
Diese Reihe zeigt, wie Ausbilder:innen die berufliche Handlungskompetenz, Selbstlernkompetenz und Eigenverantwortung ihrer Auszubildenden gezielt fördern können. Eine ideale Ergänzung für alle, die Nachhaltigkeit nicht nur als Umweltthema verstehen, sondern als Grundlage zukunftsfähiger Ausbildung. - Arbeitshilfe: Nachhaltige Kompetenzentwicklung in der Ausbildung fördern
Mit Selbstcheck, Reflexionsfragen und Impulsen für den Ausbildungsalltag unterstützt die Arbeitshilfe Ausbilder:innen dabei, nachhaltige Lern- und Entwicklungsprozesse praktisch umzusetzen. - Blog-Beitrag: Zukunftsfähige Ausbildung gestalten: Warum Informieren, Fördern und Qualifizieren zusammengehören
Der Beitrag beleuchtet aktuelle Entwicklungen rund um Zukunftsberufe, Zusatzqualifikationen und Kompetenzen, die Auszubildende künftig benötigen. - KOLUMNE: Kurz nachgedacht – Perspektiven auf den Ausbildungsalltag
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