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Mädchen meiden die MINT-Berufe – immer noch

Mädchen in MINT-Berufen
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Der Bundessieger im Leistungswettbewerb des Handwerks dieses Jahres ist eine Frau – und damit eine Exotin. Denn anders als die 23-Jährige Jasmin Sauer aus einem kleine Schlossereibetrieb bei Fürth sehen Mädchen für sich nur selten eine Zukunft in einem MINT-Beruf.

Mädchen sehen sich eher im Büro als in der Werkshalle

19 Jahre nach dem ersten Girls´ Day ist Jasmin Sauer immer noch eine Ausnahme, trotz aller MINT-Werbeaktionen und Schnupperpraktika. Immer noch lernen Mädchen lieber einen Beruf im Büro, im Verkauf oder in der Gesundheitsbranche. Unter den 20 beliebtesten Berufen bei jungen Frauen findet sich keiner aus dem gewerblich-technischen Bereich – obwohl es dort bessere Verdienstmöglichkeiten gibt.

MINT-Facharbeiter fehlen noch mehr als Akademiker

Das Interesse sinkt sogar, denn während in 2005 noch fast sechs Prozent der Frauen zwischen 30 und 34 Jahren eine Ausbildung im MINT-Bereich hatten, waren es 2016 nur noch 2,6 Prozent. Dabei ist der Bedarf an Facharbeitern in diesen Branchen mittlerweile fast doppelt so hoch wie bei den akademischen MINT-Berufen: 338.000 Fachkräfte fehlten laut dem MINT-Herbstreport des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) dieses Jahr im Oktober, davon 70 Prozent Gesellen, Meister und Techniker und gerade ein Drittel Akademiker.

Keine wirkliche Erklärung

Eine wirkliche Erklärung für dieses Phänomen hat man bis heute nicht wirklich gefunden. Thomas Sattelberger, Vorstandsvorsitzender der Arbeitgeberinitiative “MINT Zukunft schaffen”, glaubt, dass man schon bei den 10-13-Jährigen Mädchen mit der Überzeugungsarbeit ansetzen muss. Es gelte, Stereotypen bei den Frauen, aber auch bei Arbeitgebern aufzubrechen.

Ähnliches Bild bei den MINT-Akademikerinnen

Auch bei den Akademikerinnen sieht es im Prinzip nicht viel besser aus. Zwar sei deren Zahl seit 2011 um 30 Prozent auf 622.000 gestiegen, das liegt jedoch zum Einen an der generellen Entwicklung der Akademisierung. Zum Anderen hat sich der tatsächliche Anteil gerade bei den Ingenieuren, Naturwissenschaftlern und Informatikern nur von 20,2 auf 21,7 Prozent erhöht. Bei den Absolventinnen ist der Anteil zwar auf knapp 30 Prozent gestiegen, er lag vor zehn Jahren aber auch schon bei 32 Prozent.

Es bleibt eine Herausforderung

Dabei ist der Anteil der Frauen in der Biologie sehr hoch, gerade in den Engpass- und “Gutverdiener-“Berufen wie Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau aber sehr niedrig. Nathalie von Siemens, Sprecherin des Nationalen MINT-Forums, spricht sogar von einer Rückwärtsentwicklung. Immer noch sei es eine Herausforderung, Mädchen von einer MINT-Berufswahl zu überzeugen. Es gibt zu wenig Rollenvorbilder, die Stereotypen sind zu stark ausgeprägt, bei den Eltern, aber vor allem in den Schulen.

Quelle: www.handelsblatt.com vom 28.11.2017.

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